12
Mrz
2017

Wichtiges aus den ACM-Mitteilungen vom 11. März zum Gesetz Cannabis als Medizin

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Liebe Leserin, lieber Leser,

Am 9. März wurde das Gesetz zu Cannabis als Medizin im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und trat am 10. März in Kraft. Damit beginnt eine neue Ära der Versorgung der deutschen Bevölkerung mit Cannabisblüten und cannabisbasierten Medikamenten.

Die wichtigsten Änderungen finden sich beispielsweise im einem Artikel von Professorin Kirsten Müller-Vahl und mir im Deutschen Ärzteblatt. Das kann man auch ausdrucken und damit seinen behandelnden Arzt oder seine behandelnde Ärztin kurz gefasste Informationen an die Hand geben. Die wichtigsten Änderungen betreffen die Verschreibungsfähigkeit von Cannabisblüten und die Verpflichtung zur Kostenübernahme bei schwerwiegenden Erkrankungen unter der Voraussetzung, dass diese zudem weitgehend austherapiert sind.

Für Irritationen sorgten einige Beiträge in der Pharmazeutischen Zeitung. Diese betreffen die Kosten der Cannabisblüten in der Apotheke. Nach Vorstellung von Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer, sind Cannabisblüten ein Rezepturausgangsstoff, aus dem die Apotheke ein Rezepturarzneimittel herstellt, und kein Fertigarzneimittel (Cannabis auf Rezept: »Die Verordnung muss eindeutig sein«). Den Grund vermittelt die unten stehende Beispielrechnung eines befreundeten Apothekers: Werden 5 g Cannabisblüten als Fertigarzneimittel behandelt, so kosten diese den Patienten 68,61 €, und der Apotheker verdient etwa 10 €. Werden die Cannabisblüten als Rezepturarzneimittel behandelt, so kann der Apotheker auf den Einkaufspreis 100 % aufschlagen, sodass der Abgabepreis bei 113,31 € liegen würde, und der Apotheker fast 50 € verdient.

Einfach ausgedrückt: Wenn der Apotheker die Cannabisblüten in der Apotheke in einer Kräutermühle zermahlt, siebt und portioniert, kosten die Blüten etwa 113 €, wenn die Blüten jedoch vom Patienten portioniert werden, kosten sie etwa 67 €. Die Bundesapothekerkammer argumentiert zynisch mit dem Patientenwohl (Verordnungsgenauigkeit, Therapiesicherheit). Dabei geht es ganz offensichtlich im Wesentlichen darum, für die eigene Klientel, für die Apotheker, möglichst viel bei diesem Geschäft zulasten der oft nicht reichen Patienten und der Krankenkassen in die eigenen Taschen zu wirtschaften.

Da die Kosten aufgrund der Arzneimittel-Richtgrößen auch häufig dafür ausschlaggebend sein werden, ob ein Arzt Cannabisblüten verschreibt oder nicht, sind die Kosten auch ein wichtiger Faktor bei der Frage, ob ein Arzt überhaupt bereit sein wird, entsprechend Medikamente zu verschreiben.

Im geschützten Bereich der Webseite der Bundesapothekerkammer wird darauf hingewiesen, dass sowohl die Abgabe in unverändertem Zustand (mit dem entsprechend niedrigeren Preis) als auch die Abgabe gemäß Rezepturvorschriften des Apothekerverbandes (mit dem entsprechend höheren Preis) möglich sind. Das Argument mit der Therapiesicherheit ist offenbar nur vorgeschoben.

Wir gehen davon aus, dass die Dreistigkeit des Dr. Kiefer sich nicht durchsetzen wird. Mit dieser Aktion hat der Deutsche Apothekerverband und an der Spitze ihr Vorsitzender vor allem eines erreicht: Er hat das Image der Apotheker und vor allem seines Bundesverbandes bei den Patienten beschädigt und sich als Interessenvertretung der Geldgierigen präsentiert.

Wir bitten alle Patienten, in deren Apotheken Cannabisblüten weiterhin mit einem Preis von unter 70 € pro 5 g verkauft werden, uns diese Apotheken mitzuteilen. Wir möchten diese Apotheken dann kontaktieren, mit der Frage, ob sie auf unserer Webseite genannt werden möchten, damit sich interessierte Patienten an sie wenden können. Wir wollen dafür sorgen, dass Apotheken, die den Patienten gute Preise machen, die wahren Profiteure sein werden. Denn sie haben es verdient.

Es gibt bereits Apotheken, die erklärt haben, dass sie diesen Schwindel zulasten der Patienten und der Krankenkassen nicht mitmachen werden. Wir denken, dass die meisten Apotheker nicht nur an ihrem eigenen Gewinn, sondern primär am Wohl ihrer Klienten interessiert sind.

Noch eine Meldung am Schluss: Der Workshop zum Eigenanbau von Cannabisblüten für Erlaubnisinhaber war ein voller Erfolg. Die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Allen Referenten und Organisatoren der Veranstaltung daher ein herzliches Dankeschön!

Viel Spaß beim Lesen!

Franjo Grotenhermen

Der Weg zu Cannabis als Medizin

Hier sind die Schritte beschrieben, die zur Verschreibung und zur Kostenübernahme durch die Krankenkasse führen. Zu einigen Aspekten gibt es im Internet fehlerhafte Informationen, auch von Institutionen, die eigentlich als zuverlässig und seriös gelten.

1. Gute Vorbereitung des Arztbesuches
Informieren Sie sich gut, zunächst über die Webseite der ACM und mit dem Artikel aus dem Deutschen Ärzteblatt, damit Sie wissen, was sie wollen. Sie können nicht erwarten, dass Ihr Arzt gut informiert ist. Es reicht nicht aus, wenn Sie Ihrem Arzt sagen, dass Sie gern Cannabisblüten auf Rezept hätten. Sie sollten in der Lage sein, ihm zu sagen, welche Sorte Sie haben möchten. Hinweise zu Cannabissorten finden sich auf der ACM-Webseite. Wenn Sie bereits Erfahrungen mit der Verwendung von Cannabisblüten haben, teilen Sie ihm mit, wie sie es dosieren, beispielsweise Inhalation von 0,5 g in 4-5 Dosen über den Tag verteilt. Wenn Sie keine Erfahrungen haben, teilen Sie ihm bitte mit, ob Sie die Inhalation oder die orale Aufnahme bevorzugen. Dann kann er entsprechend die Dosierungsanleitung von der ACM-Webseite herauskopieren und unter seinen Briefkopf setzen. Informieren Sie sich auch genau darüber, unter welchen Voraussetzungen die Krankenkassen die Kosten einer Behandlung übernehmen, damit Sie Ihren Arzt entsprechend informieren können.
2. Arztbesuch
Fragen Sie Ihren Arzt, ob er grundsätzlich bereit ist, Ihnen cannabisbasierte Medikamente oder Cannabisblüten zu verschreiben. Bieten Sie ihm an, ihm alle Informationen zu liefern, die es ihm erleichtern, eine Verschreibung vorzunehmen und eine Kostenübernahme bei der Krankenkasse zu beantragen.

3. Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse
Hier findet sich ein Fragebogen der AOK zur Entscheidung über die Kostenübernahme. Bei Frage 9 sollten Sie schreiben, dass der Gesetzgeber an die Kostenübernahme nicht die Voraussetzung gestellt hat, dass es zur Erkrankung bzw. Symptomatik, um die es im konkreten Fall geht, Studien gibt. Die Kostenübernahme wurde ausdrücklich nicht an das Vorliegen bestimmter Indikationen knüpft. Der Arzt braucht daher keine Literatur zu nennen, geschweige denn Literatur im Original beizufügen. Hilfreich können jedoch Verweise sein, nach denen die Bundesopiumstelle bei den folgenden und weiteren Erkrankungen Ausnahmeerlaubnisse erteilt hat:

Allergische Diathese
Angststörung
Appetitlosigkeit und Abmagerung (Kachexie)
Armplexusparese
Arthrose
Asthma
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
Autismus
Barrett-Ösophagus
Blasenkrämpfe nach mehrfachen Operationen im Urogenitalbereich
Blepharospasmus
Borderline-Störung
Borreliose
Chronische Polyarthritis
Chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS)
Chronisches Schmerzsyndrom nach Polytrauma
Chronisches Wirbelsäulensyndrom
Cluster-Kopfschmerzen
Colitis ulcerosa
Depressionen
Epilepsie
Failed-back-surgery-Syndrom
Fibromyalgie
Hereditäre motorisch-sensible Neuropathie mit Schmerzzuständen und Spasmen
HIV-Infektion
HWS- und LWS-Syndrom
Hyperhidrosis
Kopfschmerzen
Lumbalgie
Lupus erythematodes
Migraine accompagnée
Migräne
Mitochondropathie
Morbus Bechterew
Morbus Crohn
Morbus Scheuermann
Morbus Still
Morbus Sudeck
Multiple Sklerose
Neurodermitis
Paroxysmale nonkinesiogene Dyskinese (PNKD)
Polyneuropathie
Posner-Schlossmann-Syndrom
Posttraumatische Belastungsstörung
Psoriasis (Schuppenflechte)
Reizdarm
Restless-Legs-Syndrom
Rheuma (rheumatoide Arthritis)
Sarkoidose
Schlafstörungen
Schmerzhafte Spastik bei Syringomyelie
Systemische Sklerodermie
Tetraspastik nach infantiler Cerebralparese
Thalamussyndrom bei Zustand nach Apoplex
Thrombangitis obliterans
Tics
Tinnitus
Tourette-Syndrom
Trichotillomanie
Urtikaria unklarer Genese
Zervikobrachialgie
Zustand nach Schädel-Hirn-Trauma
Zwangsstörung

Letztes Update der Liste: 12.03.2017

Für die meisten Erkrankungen, die oben genannt wurden, inklusive Migräne, Hyperhidrosis, Arthroseschmerzen, ADHS oder Reizdarm gibt es keine oder nur wenig aussagekräftige Studien.

Für die Kostenübernahme ist es nicht erforderlich, dass Sie sich vorher Cannabisblüten auf einem Privatrezept verschrieben haben lassen, wie es gelegentlich behauptet wurde. Sowohl Sie als auch Ihr behandelnder Arzt können eine Kostenübernahme bei der Krankenkasse beantragen.

4. Weitere Gültigkeit der Ausnahmeerlaubnis
Wenn Sie eine Ausnahmeerlaubnis zur Verwendung von Cannabisblüten von der Bundesopiumstelle haben, so haben einige Krankenkassen offenbar bereits erklärt, dass sie keine erneute Prüfung vornehmen wollen, sondern die Kosten erstatten. Von anderen Krankenkassen war zu hören, dass sie bei bestimmten Indikationen die Kosten nicht erstatten würden. Das wird möglicherweise dann vor den Sozialgerichten zu klären sein.
Die Erlaubnis ist noch 3 Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes gültig, also bis zum 10. Juni 2017. Bis dahin können Erlaubnisinhaber weiterhin ohne Rezept Cannabis in der Apotheke abholen.

5. Erwerb von Cannabisblüten in der Apotheke
Mit einem Betäubungsmittelrezept können Sie in jeder Apotheke Cannabisblüten bestellen. Sie sind nicht, wie zuvor Erlaubnisinhaber, an eine bestimmte Apotheke gebunden. Es gibt einige Fehlinformationen zu den Preisen. Die kassenärztliche Vereinigung Bayerns hat in einem Schreiben an Ärzte vom 3. März 2017 darauf hingewiesen, dass es bei der Verschreibung von Cannabisblüten 3 Verordnungsmöglichkeiten gibt.
1. Verordnung als unverändertes „Produkt“, also so wie es importiert wird, wird es auch abgegeben. In diesem Fall gelten Cannabisblüten als Fertigarzneimittel und sollten nicht mehr als 70 € kosten.
2. Verordnung in einer Menge, die nicht den importierten Packungsgrößen entspricht. Beispiel: Bedrocan 7,5 g (geliefert wird Bedrocan in 5 g Packungen). Man sollte möglichst nur in den Packungsgrößen bestellen, die verfügbar sind, also die Sorten von Bedrocan und von MedCann in 5-Gramm-Schritten sowie die Sorten von Pedanios in 10-Gramm-Schritten. Auf diese Weise erspart man sich Preisaufschläge durch die Apotheke durch die Notwendigkeit, die Blüten umzufüllen.
3. Verordnung von Cannabisblüten in abgeteilten Einzeldosen. Dann werden die höheren Kosten von 110-120 € für 5 g fällig, da in diesem Fall die Cannabisblüten wie ein Rezepturarzneimittel behandelt werden.

6. Teilnahme am Straßenverkehr
In der Vergangenheit hatten Erlaubnisinhaber wiederholt Probleme mit den Führerscheinstellen, weil die Cannabisblüten nicht verschrieben wurden. Daher haben Erlaubnisinhaber formal gegen den § 24 des Straßenverkehrsgesetzes verstoßen, der eine Ordnungswidrigkeit vorsieht, wenn Drogen, die im Blut nachgewiesen wurden, nicht durch einen Arzt verschrieben wurden.
Autofahren und die Verwendung illegaler Betäubungsmittel schließen sich aus – wie das Fahren unter Alkoholeinfluss. Das ist Anlage 4 der Fahrerlaubnisverordnung (FeV) zu entnehmen. Anders sieht die Rechtslage aus, wenn man ein BtM als Patient im Zusammenhang mit einer entsprechenden Erkrankung einnehmen muss, also aus medizinisch-therapeutischen Gründen. Hier ist das Fahren grundsätzlich zulässig. So heißt es im § 24a, Satz 2, des Straßenverkehrsgesetzes: „Ordnungswidrig handelt, wer unter der Wirkung eines in der Anlage zu dieser Vorschrift genannten berauschenden Mittels im Straßenverkehr ein Kraftfahrzeug führt. Eine solche Wirkung liegt vor, wenn eine in dieser Anlage genannte Substanz im Blut nachgewiesen wird. Satz 1 gilt nicht, wenn die Substanz aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels herrührt.“ Analog unterscheidet auch die Fahrerlaubnisverordnung zwischen der illegalen Verwendung von Drogen und der Einnahme von Arzneimitteln. So heißt es in einem Merkblatt des Bundesverkehrsministeriums: „Während der illegale Konsum von Betäubungsmitteln (außer Cannabis) die Fahreignung nach Anlage 4 Nr. 9.1 FeV ausschließt, führt die Einnahme von Medikamenten nur dann zum Ausschluss der Fahreignung, wenn es zu einer Beeinträchtigung des Leistungsvermögens unter das erforderliche Maß kommt (Anlage 4 Nr. 9.6.2 FeV)“. Voraussetzung ist dafür allerdings, dass der Patient sich in einem stabilen, gut eingestellten Zustand befindet und die Einnahme des betreffenden BtM seinen Allgemeinzustand nicht wesentlich negativ beeinflusst – und dass sich der Patient vor Fahrtantritt kritisch hinterfragt.
Leider sind viele Führerscheinstellen und MPU-Stellen noch nicht ausreichend informiert.

Zukünftige Preise für Cannabisblüten

Ich habe gestern einigen Patienten Cannabisblüten verschrieben und diese haben in einer Apotheke, die große Mengen bestellt, weniger als 60 EURo für fünf Gramm bezalht. Grundsätzlich sind zwei Preisgestaltungen möglich, denen nach Fertigarzneimitteln und denen nach Rezepturarzneimittlen

Im geschützten Bereich der Webseite der Bundesapothekerkammer heißt es dazu: „Werden die Cannabisblüten in unverändertem Zustand umgefüllt, abgefüllt,abgepackt oder gekennzeichnet an den Patienten abgegeben, ist der Preis nach § 4 AMPreisV zu bilden. Werden Cannabisblüten gemäß NRF-Vorschriften, das heißt unter Zerkleinern und Sieben der Droge und ggf. Abpackung in Einzeldosen, zu einem Rezepturarzneimittel verarbeitet, gilt § 5 AMPreisV. Zuzüglich können die Apotheken die Betäubungsmittelgebühr nach § 7 AMPreisV in Höhe von 0,26 EURo einschließlich Umsatzsteuer berechnen.“

Die Beispielrechnung eines befreundeten Apothekers sieht so aus:

Fertigarzneimittel

Apothekeneinkaufspreis (AEP) 47,50 € (hier der normale, nicht
rabattierte Preis der Fa. Pedanios für 5g Cannabisblüten)
zzgl. Apothekenzuschlag von 3 % + 8,35 € + 016 € Notdienstzuschlag = 57,44 €
zzgl. 19% MwSt. 10,91 € = 68,35 €
zzgl. zur Zeit noch 0,26 € BTM-Gebühr = 68,61 €.
5g Cannabis Blüten als Fertigarzneimittel kosten dann 68,61 € brutto.

Verordnet für eine gesetzliche Krankenkasse würden hiervon 10% Zuzahlung (6,86 €) durch den Patienten zu leisten sein, die Apotheke muss 1,77 € Rabatt leisten sowie der Hersteller 7% seines Herstellerabgabepreises (hier ca. 4 €). Kosten für die Krankenkasse beliefen sich so auf ca. 56 €.

Rezeptur

AEP 47,50 € + Festzuschlag 100% = 95,00 €
zzgl. 19 % MwSt. 18,05 € = 113,05 €
zzgl BTM-Gebühr 0,26 € = 113,31 €

Verordnet für die gesetzliche Krankenkasse gehen hier 10 € Zuzahlung (gedeckelt bei max. 10 €) durch den Patienten ab sowie hier ein 5% Abschlag der Apotheke (5,66 €). Kosten für die GKV somit 97,65 €.

Anmerkung: bei einer Rezepturverodnung muss die Apotheke jeweils die Identität der Ausgangsstoffe mittels der Vorschriften des DAC oder NRF prüfen und dokumentieren.

Privatversicherte hätten demnach entweder 68,61 € bzw. 113,31 € zu bezahlen. Eventuelle Rabattverträge der Krankenkassen für die Zukunft sind hier natürlich nicht darstellbar.

Pressemitteilung der ACM:Fortbildung zu Cannabis als Medizin

Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM) e.V. veranstaltet am 13. Mai 2017 eine Tagung zum Thema „Cannabis und Cannabinoide in der Medizin“. Ärztinnen und Ärzte, die eine Behandlung mit Medikamenten auf Cannabisbasis sowie Cannabisblüten anbieten möchten, können sich hier entsprechend fortbilden. Dies ermöglicht ihnen, Patienten mit verschiedensten Krankheiten eine weitere Therapieoption zu eröffnen. Die Tagung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Ärztekammer Hessen dem Dezernat für Personal und Gesundheit / Drogenreferat der Stadt Frankfurt am Main.

Experten aus verschiedenen Fachbereichen berichten auf der Tagung über die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen einer Therapie mit cannabisbasierten Medikamenten. Sie stellen Daten zu wichtigen Indikationen und theoretischen Grundlagen vor und vermitteln Kenntnisse zur Auswahl geeigneter Medikamente sowie der Verschreibung, Dosierung und zu möglichen Nebenwirkungen. Weitere praxisrelevante Themen, wie etwa die Teilnahme von Patienten am Straßenverkehr, stehen ebenfalls auf dem Programm.

Durch eine Gesetzesänderung im März 2017 sind Cannabisblüten in Deutschland zu einem Medika¬ment geworden, das von jeder Ärztin und jedem Arzt auf einem Betäubungsmittelrezept verschrie¬ben werden darf. Bisher war dazu eine Ausnahmeerlaubnis bei der Bundesopiumstelle in Bonn erfor¬derlich. Gleichzeitig wurden die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet, unter bestimmten Voraus¬setzungen eine Therapie mit cannabisbasierten Medikamenten, wie Dronabinol, Nabilon und dem Cannabisextrakt Sativex® sowie mit Medizinalcannabisblüten und daraus hergestellten Extrakten, zu erstatten.

Cannabis und Cannabinoide in der Medizin
Eine Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. in Zusammenarbeit mit der Ärztekammer Hessen und dem Dezernat für Personal und Gesundheit / Drogenreferat der Stadt Frankfurt am Main

Termin: Samstag, den 13. Mai 2017 von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr
Ort: Haus Ronneburg, im Saalbau Ronneburg, Gelnhäuser Str. 2, 60435 Frankfurt am Main

Programm und Anmeldung: www.cannabis-als-medizin-2017.de

Für Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung:
Dr. med. Franjo Grotenhermen, ACM e.V., Am Mildenweg 6, 59602 Rüthen
Tel. 02952-9708572
E-Mail: info@cannabis-med.org

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2
Mrz
2017

KANN CANNABIS-WISSEN SÜNDE SEIN?

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Rahmenbedingungen.
Weitgehend – aber dennoch nicht ganz unbemerkt von öffentlicher Aufmerksamkeit fand am 25. Februar in Frankfurt der deutschlandweit erste und bisher einzige Kurs zum Erwerb von Cannabis-Anbaufähigkeiten statt.
Anbaufähigkeiten, die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) turnusmäßig erbeten bzw. abgefragt werden, wenn Patienten, die von Cannabis gesundheitlich profitieren, ihn sich jedoch aus finanziellen Gründen nicht leisten können, einen Anbau-Antrag beim BfArM stellen.
Fähigkeiten im Übrigen, die aufgrund jahrzehntelanger Verbotspolitik im Grunde gar nicht vorhanden sein dürften; ebenso nicht in den entsprechenden Referaten der Bundesopiumstelle, in denen es in der Vergangenheit immer wieder an durchschnittlichem Cannabis-Allgemeinwissen mangelte und wo man inzwischen nach externen Kompetenzkräften sucht, welche das Personal der Cannabis-Agentur bilden sollen.

Seminar
Knapp über 40 interessierte Patienten, nahezu allesamt Inhaber der sog. „Ausnahmegenehmigung nach § 3 Abs. 2 BtMG“ und ACM/SCM-Mitglieder, lauschten an diesem Samstag Ende Februar 2017 von mittags bis abends den Ausführungen der sachkundigen Referenten.  Einer der Vortragenden der Geschäftsführer des niederländischen Cannabis-Erzeugers BEDROCAN, Tjalling Erkelens.
Erkelens erläuterte professionell und in groben Zügen in einer Art „bebilderte Tour de Bedrocan“ u.a. wie Cannabis zu medizinischen Zwecken in der Nähe von Groningen angebaut wird, welche Standards von der Firma eingehalten werden müssen und welche Zukunftsaussichten angesichts zunehmender Konkurrenz aus Kanada für Bedrocan NL bestehen.
Anschließende Teilnehmerfragen wurden kompetent und ausführlich beantwortet.

Das an anderer Stelle geäußerte Erkelens-Zitat „Es ist nicht Aufgabe der Niederlande ganz Europa mit Cannabis zu versorgen“ zeugt von (s)einer sympathischen Sichtweise, die nicht ausschließlich Finanz-orientiert ist – sondern eher Forschung und Patienten-Wohlsein in den Vordergrund des eigenen (Bedrocan-)Handelns stellt. Zielsicher auch seine Einschätzung, dass die derzeit noch überwiegend ablehnende ärztliche Haltung gegenüber medizinischer Verwendung von Cannabis in Deutschland den größten Bremsklotz in Sachen Fortschritt, Forschung und Entwicklung darstellt. Zu Lasten von Patienten.

Auch die übrigen Referenten, der Einfachheit halber lediglich „M.“, „M.“und „C.“ genannt, überzeugten die anwesenden Patienten mit großer Sach- und Fachkunde während ihrer jweils Bildprojektor-gestützten Erläuterungen.
Wer zum Zeitpunkt der Vorträge noch nichts oder nur wenig über Cannabis als Pflanze oder als „medizinisches Anbaugut“ wusste, der wurde mit Informationen bis ins kleinste Detail reichlich bedient Es blieben keine Fragen unbeantwortet; selbst die Frage nicht, ob man Cannabis-Erntegut ggfs. vor der Trocknung in und mit Wasser (ab)waschen sollte, um so Feinstaub oder Schädlinge zu entfernen. (Man soll nicht!)
Jeder, der an Vertiefung oder Wiederholung der Anbau-Thematik interessiert war, konnte sich die Vorträge der drei zuletzt genannten Referenten per Mail-Anfrage zudem in pdf-Form sichern.

Fazit
Insgesamt eine gelungene Veranstaltung, für deren Umsetzung die zuhörenden Teilnehmer sich nicht nur bei den angesprochenen Referenten – sondern insbesondere bei Dr. Grotenhermen und dem „Eigenanbau-Team“ bedanken können, die im Vorfeld auch die rechtlichen Rahmenbedingungen dieses Fortbildungs-Seminars zu prüfen und zu bewerten hatten.

Einziger Wermutstropfen des Events: Das überwiegende Fehlen von Fingerspitzengefühl vieler Patienten beim öffentlichen Cannabis-Konsum vor dem Veranstaltungsgebäude angesichts ständiger Vorbeimärsche von kleinen Kindern und deren (besorgten) Eltern.

aXXL     3, 2017

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22
Feb
2017

Antworten auf manche Fragen

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Viele wenden sich mit Fragen an uns, wie das jetzt wirds mit dem neuen Gesetz.
In diesen drei Artikeln wird so manche Frage beantwortet.

https://www.aerzteblatt.de/archiv/186476

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=67762

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/apothekenpraxis/nachricht-detail-apothekenpraxis/schmerztherapie-cannabis-auf-rezept-und-nun/

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11
Feb
2017

Klima-Aussichten


Der Bundesrat winkt am 10.02. 2017 das neue Gesetz zu Cannabis als Medizin durch.
Patienten winken diesem Ereignis inzwischen hoffnungsfreudig zu.
Winken Ärzte hierzulande nun diese in nahezu 20 Jahren erkämpfte gesetzliche Neuerung einer Cannabis-Verschreibungsmöglichkeit womöglich mehrheitlich ab?

Im sozialen Netzewerk Facebook nimmt die Zahl der von Patienten lancierten Medizin-Cannabis-Informations- und Aufklärungsseiten zu, aber allenthalben sind dort verdrossene Kommentare zu lesen wie etwa „Mein Arzt stellt mich in die Junkie-Ecke“ oder „Mein Doc meint, er darf keine Betäubungsmittel verschreiben“, bis hin zu ärztlichen Bemerkungen wie „Dafür gibt es andere Mittel; Drogenkonsum ist keine Lösung bei gesundheitlichen Problemen“ oder auch „Ich habe als Arzt schlicht nicht die Zeit mich um aktuelle Entwicklungen im Gesundheitswesen zu kümmern, mich auf dem Laufenden zu halten, weil Dokumentation, Abrechnung und sonstige Praxis-Bürokratie mich zeitlich total auffressen.“
Einer schrieb sinngemäß – bezogen auf das Ärzte-Wissen zu Cannabis und die mögliche Verschreibung –  „es dürfe von einem Opel-Mechaniker nicht erwartet werden, dass er sich in der Reparatur von VW- oder BMW-Modellen auskenne…“

Es wäre daher blauäugig zu glauben, mit dem Inkrafttreten des Gesetzes im März 2017 würde sich von einem auf den anderen Tag alles zum Guten wenden.

Vereinzelt dürfte das Arzt-Patienten-Klima sogar deutlich schlechter werden, wenn die Suche nach aufgeschlossenen Ärzten künftig immer dringlicher wird und verzweifelte Patienten in Ballungsräumen telefonisch selbst erstellte Listen abarbeiten, um auf diese Weise  herauszufinden, ob angerufene Mediziner zu den „Cannabis-Verschreibungswilligen“ gehören oder nicht.

Absehbar scheint daher, dass man ab März 2017 trotz neuem Gesetz als nicht mit Cannabis oder Cannabisprodukten versorgter Patient noch ein paar weitere Jahre an Geduld aufbringen muss, bis die genannten Mittel so häufig verschrieben werden wie es medizinisch tatsächlich notwendig und sinnvoll wäre.
Ebenso wie der in Gründung befindlichen Cannabisagentur noch ein paar Jahre zugestanden werden müssen, bis sie mit kompetenten Mitarbeitern bestückt ist, Lizenzen vergibt, Ernten aufkauft, in Zusammenarbeit mit Produzenten und „apothekischem Dealwesen“ Versorgungslücken-frei funktioniert und endlich behauptet werden kann: „Läuft!“

Diese (wenigen?) Jahre bis „Läuft!“ gilt es für viele Kranke irgendwie zu überbrücken.
Eigenanbau und einhergehender Antrag auf Erlaubnis zum Eigenanbau von Cannabis wäre für gärtnerisch talentierte Patienten zumindest eine Brücken-Option. Alle Übrigen sind dazu verdammt Klinken zu putzen, zu erklären, zu bitten, zu bittstellen, zu versuchen zu überzeugen und ein entspanntes Klima zu schaffen, in einer im Grunde menschlich hochdramatischen Situation, nämlich der eigenen Krankheit…

– Axel Junker –

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21
Jan
2017

Architekten, Bauleiter und Hilfskräfte

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Kaum ist das neue Gesetz zur Verschreibungsfähigkeit und (ggf.) Kostenerstattung von Cannabis als Medizin vom Bundestag einmütig beschlossen, brechen in sozialen Netzwerken und Mail-Verteilern wahre Stürme an Patienten-Fragen los.
Allerorten große Verunsicherung. Vereinzelt gibt es sogar schon glaubhafte Hinweise auf getätigte Arztbesuche mit der Aufforderung „Nun mach mal, Doc, schließlich ist Cannabis jetzt legal…!“

Dabei ist das Gesetz ist bis dato nicht einmal in Kraft.

Überdies ist eine Vielzahl an weiterhin dringenden Fragen zu klären:
Welcher Arzt verschreibt Cannabis oder Cannabisprodukte ?
Wieviel Gramm kann er dauerhaft verschreiben ohne möglicherweise von Krankenkassen in Regress genommen zu werden? (Stichwort „Budgetierung, Praxisbesonderheit bzw. besondere Verordnungsbedarfe“)
Wie kann man sich als Cannabis-Patient der Polizei gegenüber ausweisen nach eintretender Ungültigkeit der Genehmigungs-Urkunden (etwa Juli 2017) ?
Wie wird die Führerscheinfrage für medizinische Cannabisnutzer geregelt? Wird sie einheitlich geregelt?
Was ist mit Patienten, die in ihrer Umgebung keinen aufgeschlossenen Arzt finden?
Welche Krankheiten sind abweichend von „schwerwiegenden Krankheiten“ noch mit Cannabis behandelbar?
Wie können Patienten gegen eventuell ablehnende Kostenübernahme-Bescheide ihrer Krankenkassen vorgehen?
Welcher Wissenspool steht dem MDK zur Verfügung, wenn dort sensible Entscheidungen getroffen werden sollen?

Etc. etc.

Was an der  so lange schwelenden Angelegenheit ein wenig verwundert, ist, dass in dieser Cannabis als Medizin-Angelegenheit parteipolitisch übergreifend plötzliches Einverständnis zu herrschen scheint.
Beinahe jeder Abgeordnete, der anlässlich der zweiten Lesung des Gesetzes im Bundestag einen kurzen Redebeitrag hielt, konnte ergreifend vom Schicksal eines ihm bekannten Patienten berichten, der schwer an der bisher absolut unbefriedigenden Situation zu leiden hat.  Ähnlich wie womöglich zehntausende unbekannte/ungenannte Kranke ebenfalls leiden mussten und künftig weiterhin werden leiden müssen. Da mutet es an wie Balsam auf die Seele, dass der Abgeordnete Dr. Harald Terpe vom „Versuch der Wiedergutmachung“ durch das neue Gesetz gesprochen hat…

Überraschend also politisch vollkommene Einmütigkeit, („Friede, Freude, Cannabiskuchen“) während zwischen zwei der kürzlich noch gemeinsam im Gesundheitsausschuss des Bundestags an einem Strang ziehenden Experten unversehens und ohne ersichtliche Not(wendigkeit) ein unwirklicher Zwist um den „Erfolg“ bzw. um die persönlichen Erfolgsanteile der einzelnen Initiatoren, Befürworter und Supporter an der Umsetzung des Gesetzes ausbricht.

Ein alberner Zwist. Ein ärgerlicher Zwist. Ein auf Missverständlichkeiten gründender Zwist.

Andererseits scheint diese wie aus dem Nichts zutage tretende Unstimmigkeit aber auch verständlich und natürlich zu sein, denn wenn man weiß, dass Cannabis positive ebenso wie negative Empfindungen zu verstärken in der Lage ist, dann ahnt man geradezu , dass politische Einmütigkeit bei den Gesetzesmachern in der Cannabis als Medizin-Frage selbstredend Streit, Ärger und Missgunst unter Architekten, Bauleitern und Hilfskräften – den tatsächlichen Gesetzes-Initiatoren – auslöst.

Die weniger griffigen Seiten (k)einer Ruhmes-Medaille…

Axel Junker


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